Antifaschist*innen blockieren Marsch der AfD durch Hannover


Am Samstag den 22. Januar 2022 versuchte die AfD in Hannover erneut ihre Anschlussfähigkeit und Sympathie für die verschwörungsideologischen Mobilisierungen unter Beweis zu stellen. Nur 135 Personen beteiligten sich laut Polizei an der Demonstration “Gegen Inflation und Impfpflicht”. Damit konnte die extrem Rechte Partei nicht an die Mobilisierungserfolge des Dezembers anschließen, als bis zu 400 Personen mit der AfD durch Hannover zogen.
Grau in grau lag Hannover am Samtagmorgen da. Nichtsdestotrotz blieb der extrem Rechte Aufzug nicht unkommentiert. Mehrere hundert Antifaschist*innen und zivilgesellschaftliche Verbände versammelten sich am Hannah-Arendt-Platz. In Redebeiträgen ging es u.a. mehrfach um die Situation in der “kaputt gesparten” Pflege. So berichtete eine Aktive der ver.di Jugend, die Auszubildende in der Pflege ist: Alle Bilder aus dem Fernsehen mit Luftnot und schwersten Verläufen seien real. Dementsprechend könne sie garantieren, dass der Gegenprotest die volle Solidarität von ihr und ihren Kolleg*innen habe. Nicola Lopopolo, Vorstand des DGB Hannover, fügte hinzu, dass es absurd sei, dass die autoritäre AfD eine Demonstration für “Freiheit” anmelde. Die AfD sei außerdem längst der parlamentarische Arm der verschwörungsideologischen Proteste geworden, so Lopopolo. “Wo bleibt die Entrüstung der AfD über die sozialen Folgen der Pandemie”, fragte der Gewerkschafter weiter. Eine weitere Rednerin fügte im Name der Gruppe “Direction F” hinzu: Kritik an staatlichen Handeln, dürfe nicht den Querdenker*innen überlassen werden. Wo immer sich Proteste gegen die Verschwörungsideolog*innen rege, sei es aber dieser, der mit Repressionen drangsaliert werde.

Die AfD hatte eine Demonstration auf einer Route von nur etwa einem Kilometer Länge angemeldet (vom Opernplatz zum Landtag und zurück). Nach knapp 100 Metern war allerdings erstmal Pause angesagt. 35 Antifaschist*innen blockierten am Platz der Weltausstellung die Marschroute. Die AfD musste während die Blockade geräumt wurde knapp eine Stunde im Regen stehen. Immer wieder wurde über den Lautsprecher gepöbelt, die Polizei komme ihren Aufgaben nicht nach. Kurz nach der Räumung der ersten Blockade formierte sich etwa fünfzig Meter weiter eine zweite Sitzblockade. Wie aus dem nichts zückten die Teilnehmer*innen Mülltüten, setzten sich auf den durchnässten Boden und hakten sich unter. Die Polizei verzichtete auf eine Einzelbehandlung, wie bei der ersten Blockade. “Räumungskräfte Marsch” hieß es über den Lautsprecher der Polizei und daraufhin wurden Antifaschist*innen wortwörtlich aus dem Weg geprügelt. Eine kleine Gruppe ließ sich nicht davon abhalten, eine weitere, dritte Blockade, zu versuchen. Die BFE zerrte und schleifte die Gruppe  kurzer Hand von der Straße und warf dabei mindestens eine Person mit dem Genick auf die Bordsteinkante. Journalist*innen wurden von einzelnen Einheiten dabei immer wieder weggedrängt. Diese gehörten zum Gegenprotest hieß es von Beamt*innen.
Vor dem Landtag drehte die AfD dann unter Pfiffen und Rufen des Gegenprotest um und trat ihren 500 Meter langen Rückweg an. “Nazis raus”, riefen die extrem Rechten dabei dem Gegenprotest zu. Zeitlich beteiligten sich eine größere Anzahl an einem verschwörungsideologischen Autokorso. Groß angekündigter Gegenprotest und regnerisches Wetter dürfte diese bürgerlichste aller Protestformen gegen die Corona Maßnahmen zum attraktivsten Termin des Tages gemacht haben.

Hier noch ein Videobericht von David Speier:
Public Story
Antifascists block AfD march in Hannover
Copyright Michael Trammer 2022
Updated Jan 2022
Location Hanover
Topics Afd, Antifa, Demonstration, Hannover, Impfpflicht, Journalism
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